Gesprächsstoff

Teure Zeiten, neues Denken

Wie die Inflation unser Leben verändert. Stimmt, das Leben wird teurer. Aber mit etwas Planung kann es gelingen, die Teuerung abzumindern. Ein Patentrezept für alle gibt es nicht, stattdessen ist individuelle Planung gefragt: Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich schlau durch die Inflation schlängeln.

Text: Sandra Wobrazek

Foto: insta_photos/iStock/Getty Images Plus via GettyImages

Eines vorweg: Nicht alle Produkte werden „gleich teurer“. In einer Inflation gibt es sogenannte „Treiber“, also Produkte mit einer stark überdurchschnittlichen Teuerungsrate, und sogenannte „Dämpfer“, Produkte, die nur wenig bis gar nicht teurer bzw. sogar billiger werden. Je nachdem, welchen Lebensstil man pflegt, ist man mehr oder weniger stark von der Teuerung betroffen.

Das wird teurer – die Preistreiber

Energie. Wenn Sie auf Heizöl angewiesen sind, trifft Sie die Inflation am stärksten. Flüssige Brennstoffe sind von Juli 21 bis Juli 22 um 108,5 Prozent (%) gestiegen. Gas stieg im gleichen Zeitraum um 71,5 %, Strom um 34,4 %. Hier hilft nur: Verbrauch senken.
Flugreisen. Wenn Sie nicht müssen, bleiben Sie am Boden. Das hilft der Umwelt, schont Ihre Nerven und entspannt Ihr Budget. Flugtickets sind um rund ein Drittel teurer geworden. Unser Tipp: Wenn möglich, vermeiden!
Alles, was fett ist. Öle und im Besonderen Butter kosten deutlich mehr. Im Schnitt beträgt die Teuerung über 25 %. Weniger fett kochen, macht die Geldtasche dicker. Verbrauch senken!
Werkzeug. Falls in Ihrer Wohnung Reparaturen anstehen, wenn möglich aufschieben: Material und Werkzeuge sind um rund 16 % teurer geworden.
Autokauf. Zusätzlich zur Teuerung ist derzeit mit langen Wartezeiten zu rechnen, der Kauf-Zeitpunkt ist also ungünstig.


Nicht alles wird teurer, manche Produkte und Dienstleistungen sind sogar billiger geworden. Ihre Benützung senkt Ihre „individuelle Inflationsrate“ – ein Trost, wenn auch zugegebenermaßen ein kleiner.

Das wird billiger – die Preisdämpfer

Alles, was mit Telefonen zu tun hat. Sowohl die Geräte selbst (-6,7 %) als auch ihre Benützung (-0,2 %) sind günstiger  geworden. Aber Achtung: 2023 dürften die Tarife empfindlich steigen.
Mit dem Zug fahren. Sie zahlen im Schnitt um 5 % weniger für Ihr Ticket. Die Alternative zum Flugzeug.
Teppiche. Gute Zeit, falls Sie einen Kauf planen: Bodenbeläge kosten im Schnitt um 3,6 % weniger.
Auch Kleidung wurde nicht teurer. Ein Minus von 0,8 % ist keine extreme Verbilligung, aber immerhin.

In Österreich betrug die Inflationsrate im Juli im Vergleich zum Jahr davor 9,3 %, damit liegen wir über dem EU-Schnitt von 8,9 %. Expert*innen rechnen im Herbst, spätestens zu Beginn 2023, sogar mit zweistelligen Inflationsraten. Während Frankreich, Malta (je 6,8 %) und Finnland (8 %) unterdurchschnittliche Werte erreichen, klettert die Inflation in Litauen (20,9 %), Lettland (21,3 %) und Estland (23,3 %) in schwindelerregende Höhen. Eines der am stärksten betroffenen Länder ist die Türkei: Hier stiegen die Verbraucherpreise im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 79,6 Prozent.

Das sagt die WIFO-Expertin

Christine Mayrhuber vom Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) hat 2020 eine Studie zur Konsumstruktur und Abgabenlast der österreichischen Pensionshaushalte gemacht. Sie sagt, dass noch nicht absehbar ist, inwiefern sich die aktuelle Inflation auf das Konsumverhalten der Pensionshaushalte auswirkt. Die Ökonomin weiß, dass sich laufende Preissteigerungen vor allem auf Alleinerzieher- und Mehrkindhaushalte, aber auch auf Pensionshaushalte verstärkt auswirken. „Wir sehen, dass es gerade im unteren Einkommensbereich nicht mehr möglich ist, Ausgaben zu substituieren. Billige Lebensmittel vom Diskonter lassen sich nur schwerlich mit noch  billigeren Lebensmitteln ersetzen.“ 


Mayrhuber betont, dass in gewissen Bereichen wie der Miete kaum Einsparungen möglich sind. Bei Gaststätten und Urlauben hingegen wird eingespart werden. „Ebenso bei Freizeit- und Unterhaltungsangeboten. Hier werden sich wahrscheinlich alle Haushalte, nicht nur die der Pensionist*innen, einschränken müssen. Durch die jährlichen Pensionsanpassungen hat das österreichische Pensionssystem zumindest einen gewissen Vorteil, denn es ist gesetzlich vorgesehen, dass sich die Pensionen an den Verbraucherpreisen orientieren.“

Too Good to Go
Copyright: TGTG

Immerhin ein gutes Gefühl beim Sparen

Dank zahlreicher Initiativen lässt sich das Sparen oft mit Nachhaltigkeit verbinden. Mit der App „Too Good To Go“ (TGTG) etwa können überschüssige Lebensmittel und Mahlzeiten vor dem Müll gerettet werden. „Die App ist eine unkomplizierte Lösung für eines der größten Probleme unserer Zeit: die Lebensmittelverschwendung. Davon profitieren im besten Fall alle: ausgezeichnetes Essen für die Kundschaft, weniger Verschwendung für die Betriebe und Ressourcenschonung für die Umwelt“, sagt Georg Strasser von TGTG Österreich. Die Betriebe bieten ihre „Überraschungssackerl“ für ca. ein Drittel des ursprünglichen Verkaufspreises an. Bezahlt wird über die App (mittels Google Pay, Paypal oder Kreditkarte), zu festgelegten Uhrzeiten kann die Ware in den Betrieben abgeholt werden. 

In Österreich wird die App bereits von mehr als 1,2 Millionen Menschen und rund 5.000 TGTG-Partnerbetrieben (Restaurants, Bäckereien, Hotels, Lebensmittelgeschäfte) nicht nur im städtischen, sondern auch im ländlichen Raum genutzt. Vier Millionen Mahlzeiten bzw. Lebensmittelpakete wurden seit der Einführung vor drei Jahren gerettet. Nutzten zu Beginn vor allem jüngere Menschen das Angebot, gehören heute Familien ebenso dazu wie Pensionist*innen. Georg Strasser ist überzeugt:

„Das Thema Lebensmittelverschwendung ist gerade in dieser Zielgruppe oft ein Herzensthema. Hinzu kommt, dass Budgetfragen jetzt alle betreffen. Die einzige Voraussetzung, um bei Too Good To Go mitzumachen, ist ein Smartphone.“

Vollpension Wien
Vollpension Schleifmühlgasse Copyright: Marc Glassner

Arbeiten im „Ruhestand“?

Um der Teuerungswelle die Stirn zu bieten, spielen immer mehr der insgesamt 2,4 Millionen österreichischen Pensionsbezieher*innen mit dem Gedanken, auch nach Pensionsantritt einer (geringfügigen) Beschäftigung nachzugehen. Wer seine Talente auch noch im „Ruhestand“ einsetzt, profitiert nicht nur finanziell, sondern meist auch in sozialer Hinsicht. Eines der österreichischen Vorzeigeprojekte in Sachen Arbeiten im Alter ist die „Vollpension“. Die Idee hinter dem 2012 als soziales Start-up gegründeten Unternehmen ist es, Lösungen für Herausforderungen wie Altersarmut, die wachsende Generationenkluft und Isolation zu bieten. Dabei backen Senior*innen für Gäste Mehlspeisen nach alten Familienrezepten und verdienen sich etwas zu ihrer Pension dazu. Mittlerweile gibt es in Wien zwei Vollpension-Generationencafés, einen „Kuchen- to-go“-Kiosk sowie ein „Buchtelmobil“, das für Events gemietet werden kann. Darüber hinaus gibt es ein eigenes Backstudio, in dem man Omas und Opas beim Backen von Sachertorte, Buchteln und Apfelstrudel über die Schulter schauen kann.

Wichtig: Informieren lohnt sich

Wer sich für Arbeiten nach dem Pensionsantritt interessiert, sollte sich genau informieren – über Zuverdienstgrenzen ebenso wie über steuerliche Absatzbarkeit von Ausgaben. Stefan Taglieber, Partner bei der Astoria Wirtschaftsberatung in Krems, empfiehlt, für fachliche Auskünfte in Richtung Abwicklung Pensions- und Sozialversicherungsanstalten, Pensionistenvereine oder das Finanzamt zu kontaktieren. „Für die effiziente Gestaltung der Zusatzeinkünfte rate ich zu einem guten Steuerberater.“ Aus der Sicht des Steuerexperten lohnt sich das „Jobben“ in der Pension, da einem in Österreich „nur“ maximal 45 bis 50 % des zusätzlichen Einkommens staatlicherseits „weggenommen“ werden. Natürlich, gibt Taglieber zu bedenken, sollte die Arbeit in Relation zum Verlust an Freizeit bzw. der Zeit für Enkelkinder, Hobbys und Reisen Spaß machen und sich sinnerfüllend anfühlen. Ob selbstständig tätige Pensionist*innen Beiträge an die Sozialversicherung abführen müssen, hängt vom Gewinn ab. „Das ist der Saldo nach steuerlich abset baren Ausgaben. Die sogenannte ,Geringfügigkeitsgrenze‘ darf pro Kalenderjahr 5.830,20 Euro nicht übersteigen – sonst sind SVS-Beiträge zu bezahlen.“